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Mittwochabend, 10.10.01
Dieter hatte heute Nacht einen sehr schlimmen Unfall. Die Ärzte können
noch nichts sagen und es kann noch Tage dauern, bis klar ist, dass er
überleben wird, über Spätfolgen ganz zu schweigen. Es hat ihm so ziemlich
alles gebrochen und verletzt. Soweit die Ärzte bis jetzt sehen, ist
allerdings das Hirn noch intakt, es wurde durch die Gesichtsknochen
geschützt.
Über den Unfallhergang ist man auch noch nicht sicher, es fehlen 2-3
Stunden in der Rekonstruktion. Er lief zu Fuss von der Aushebung heim
(und war sicher nicht nüchtern, die Mutter hatte vor dieser Aushebung
schon seit Monaten Angst), ev. ging er in unserem Landstück für 2-3
Stunden schlafen und lief dann weiter. Ca. 1 km von Zuhause entfernt, bei
einer engen und gefährlichen Stelle, wurde er mit voller Wucht von hinten
durch ein Auto erfasst. Wahrscheinlich ist Dieter in der Mitte Fahrbahn
gewandert. Der Fahrer muss ziemlich schnell gewesen sein und Dieter nicht
geachtet haben. Es gab keine Bremsspuren und keine andere Spuren. Der
Fahrer beging Fahrerflucht.
Sehr stark demoliert sind Dieters Mittelgesicht und Ober- und
Unterkiefer. Dies wurde teilweise schon operiert, da die Gefahr einer
Entzündung besteht, die dann sofort ins Gehirn wandern würde. Dann ist ab
der Hüfte abwärts auf der rechten Seite ziemlich viel kaputt. Hüfte,
Oberschenkel und Unterschenkel wurden schon operiert, bei der Kniescheibe
bin ich nicht sicher. Brüche im Fuss sind momentan nicht wichtig und
gefährlich und daher noch nicht behandelt. Nebst den Knochenbrüchen ist
beinahe jedes innere Organ beschädigt. Am Meisten Angst macht mir die
Lunge. Sie ist geprellt. Die Gefahr von Wasseransammlungen besteht, was
die Sauerstoffversorgung des Gehirns und Herzens gefährden würde. Man
muss auch fast zu 100% mit einer Lungenentzündung rechnen, die die
Sauerstoffversorgung noch stärker beeinträchtigen würde. Das Herz ist
ebenfalls geprellt, arbeitet aber ohne Unterstützung. Die Leber hat
Schürfungen. Weiter hat Dieter Flüssigkeit im Bauch, momentan aber mit
konstanter Menge. Daher haben sie im Bauch auch noch nichts unternommen
und ihn nicht geöffnet.
Bis Dieters Zustand definitiv stabil ist kann es Tage dauern (uns
wurde für unter 10 Tage Warten keine Hoffnung gemacht). Das Einzige was
wir machen können ist hoffen und mit positivem Denken Dieter die nötige
Energie zum Überleben zu geben.
Zeitungsartikel vom 13.10.01
Zeitungsartikel vom 11.10.01
Wir werden hier unregelmässig über den Zustand von Dieter berichten.
Sobald man ihn besuchen kann, werden wir dies mit Angabe des Raumes und
der Besuchszeiten mitteilen. Ab diesem Zeitpunkt wird ihm jeder Besuch
viel Kraft auf seinem Genesungsweg geben. Aber schon heute geben ihm all
die guten Wünsche und der ihm zugesprochene Mut viel Kraft auf dem Weg
zur Heilung - denkt an ihn und helft ihm so, diese schwierige Zeit
durchzustehen!
Wenn ihr heute an Dieter denkt und vor allem sobald ihr Dieter
besuchen könnt ist es uns wichtig, dass ihr immer positiv denkt / mit ihm
sprecht - und NIE negativ oder mit zu viel Mitleid (er braucht viel Kraft
/ Stärke und nicht Schwäche!).
Also nicht 'Was bist du für ein armer Kerl', sondern 'Du bist stark
und hast einen grossen Willen'.
Aslo nicht 'Es war immer so schön mit dir zusammen zu
sein', sondern 'Ich freue mich auf den Abend, an dem wir wieder
zusammensitzen werden!'.
Donnerstagabend, 11.10.01
Letzte Nacht war Dieters Zustand stabil. Sie haben ihn kurz aufwachen
lassen, er hat die Augen geöffnet und auch mit Kopfbewegung auf Fragen
geantwortet. Morgen Freitag wird wiederum operiert.
Sein Zustand blieb den ganzenTag stabil. Sie haben ihn ruhen lassen
und werden ihn morgen wieder operieren.
Freitagabend, 12.10.01
Während der Nacht blieb Dieters Zustand stabil. Heute haben sie ihn am
rechten Bein operiert. Dabei wurde ihm ein 'Wundgewebe' eingesetzt (ich
verstehe dies als eine Art Schwamm, der dazu da ist, Flüssigkeit
aufzusaugen, die man dann via Kanüle ableiten kann. Dadurch wird das Bein
trocken und es kann neues Gewebe heranwachsen). Die Operation verlief
ohne Komplikationen. Als Nächstes muss an seinem Schädel noch einmal
operiert werden, der Termin dazu steht aber noch nicht fest.
Samstagmorgen, 13.10.01
Der Zustand von Dieter war in der Nacht stabil. Sie liessen ihn wieder
aufwachen. Auf die Frage, ob er Schmerzen habe, verneinte er klar mit
einem Kopfnicken.
Samstagabend, 13.10.01
Der Zustand von Dieter ist weiterhin stabil. Die Konzentration der
'Schlaf'-Medikamente wurde reduziert und bei unserem Besuch hat er auf
ein Ansprechen unsererseits reagiert! Er hat den Kopf Richtung der
sprechenden Person gedreht und man konnte auch erkennen, dass seine Augen
sich bewegten (öffnen tat er sie nicht, entweder ist er dafür immer noch
zu tief im 'Schlaf' oder es ist durch seinen geschwollenen Schädel nicht
möglich. Die Medikamente wurden allerdings am Abend wieder erhöht, da
sein Blutdruck und sein Puls anstiegen.
Aber sein Reagieren auf uns und sein ruhiges Schnaufen und daliegen
geben weiterhin viel Hoffnung!
Sonntagabend, 14.10.01
Während der Nacht war Dieters Zustand stabil.
Heute reagierte er sehr stark auf die Besucher (Familie), drückte
einem die Hand und auf unsere Frage an die Betreuerin, ob er uns hören
kann, antwortete nicht die Betreuerin, sondern Dieter mit einem
Kopfnicken! Wir alle hatten heute ein sehr positives Gefühl beim Anblick
von Dieter, wie er aussieht und wie er reagiert!
Das gefürchtete Wasser auf der Lunge, die Lungenentzündung und
allgemeine Infektionen sind bisher ausgeblieben. Die nächsten paar Tage
werden entscheidend sein über das Auftreten von Infektionen.
Montagnacht, 15.10.01
Heute hatten wir einen Termin bei Dr. Renner, dem verantwortlichen
Arzt für Dieter. Das Gespräch gibt sehr viel Hoffnung:
- Die inneren Verletzungen haben sich erfreulich entwickelt, auch der
Zustand der Lunge ist besser als zu Beginn befürchtet. Allerdings
bleibt die Gefahr einer Lungenentzündung weiterhin akut.
- Die für heute geplante Operation am Kopf musste nicht durchgeführt
werden! Die äusserste Hirnhaut, die (Schutz-)Schale um Dieters Hirn,
wurde verletzt (durch den Bruch der Gesichtsknochen). Dadurch lief
Flüssigkeit aus, die einen Druck aufbaute. Man wollte diese Verletzung
zuerst operieren, hat aber in einem ersten Versuch die Flüssigkeit
abgesaugt und damit die Verletzung trockengelegt. Nach dem Stoppen des
Absaugens füllte sich der Hohlraum nicht wieder mit Flüssigkeit ->
die 2 Löcher in der äussersten Hirnhaut haben sich selbst geschlossen,
die Operation wurde überflüssig!
- Die positivste Nachricht: Die Ärzte planten eine tägige, nicht
extrem dringende Operation für morgen Dienstag. Das heisst, Dieters
Zustand ist so gut, dass die Ärzte eine solche Operation planen können!
Aus Platzgründen ist die Operation nun aber auf Donnerstag verschoben
wurde - drücken wir Dieter für Donnerstag die Daumen!
Die geplante Operation:
Bisher wurden Dieters Brüche Oberschenkel durch externe Metallgestänge
fixiert. Dieses wird abgelöst durch einen Metallstab (Marknagel,
Schaftstab), der vom Knie her im Oberschenkel eingeführt wird. Im
Schenkelhals werden 2 Schrauben eingesetzt, deren Enden über eine
Platte mit dem Metallstab verbunden werden. Damit wird der ganze
Oberschenkel innerlich fixiert, was die Bewegungsfreiheit von Dieter
massiv vergrössert und die Infektionsgefahr verkleinert (die Bruch im
Oberschenkel ist an der Aussenseite eine offene Verletzung).
Die Kniescheibe wurde mehrfach gebrochen. Hier werden über die
Kniescheibe Drähte eingesetzt, somit der Druck abgefangen und das
Funktionieren der Sehen gewährleistet. Im Hinblick auf die Zukunft ist
aber entscheidend, wie stark der Knorpel verletzt wurde. Je besser
dieser intakt ist, desto kleiner ist die Chance von dauernden
Knieschmerzen.
Direkt unterhalb des Knies hat Dieter ebenfalls eine offene Wunde. Hier
wird am Donnerstag ein Teil des Wadenmuskels unten an der Wade
abgetrennt, umgeklappt und über die offene Wunde gelegt. Dann wird das
Ganze mit einem Stück verpflanzter Haut abgedeckt.
In einer weiteren Operation muss der rechte Fuss in Ordnung gebracht
werden. Hier ist man aber noch nicht sicher, was alles gebrochen ist, wie
und ob man operieren will. Beim Fuss hat er eine komplizierte Verletzung
des 5. Mittelfussknochens. Hier wird er höchstwahrscheinlich noch einmal
in den Computertomographen geschoben um über das weitere Vorgehen
entschieden werden zu können.
Der Zustand hat sich wie gesagt in allen Belangen erfreulich
entwickelt. Die Gefahr von Infektionen ist aber weiterhin akut und daher
besteht auch weiterhin noch eine gewisse Lebensgefahr.
Für alle, die Dieter besuchen wollen: bei der Dauer bis zur Verlegung
von der Intensivstation in die Allgemeinstation handle es sich nicht mehr
um Wochen, sondern um TAGE!!!
Heute hat Dieter wiederum sehr stark auf unsere Besuche reagiert. Er
dreht den Kopf und schaut uns mit grossen Augen an. Danach wird er sehr
unruhig, hebt den Kopf an, bewegt die Arme und sein linkes Bein und der
Puls steigt. Man hat das Gefühl, er möchte einem etwas sagen (sprechen
kann er noch längere Zeit nicht, da er durch einen Schnitt in der
Luftröhre künstlich beatmet wird).
Dienstagnacht, 16.10.01
Dieters Zustand ist den Umständen entsprechend weiterhin gut! Neben
der Operation vom Donnerstag wird er nun doch am Mittwoch noch einmal am
Kopf operiert.
Die Laboranalyse ergab, dass das Fieber höchstwahrscheinlich von der
(erwarteten) Lungenentzündung stammt. Die Temperatur schwankte auch heute
zwischen 37°C und etwas über 38°C.
Heute hat Dieter wiederum sehr schöne 'Zeichen' gegeben (er ist
allerdings nicht immer gleich wach und wir nehmen auch nicht alles gleich
wahr respektive interpretieren gleiche Ereignisse unterschiedlich. Der
Text ist daher persönlich gefärbt. Mit 'uns' meine ich, dass dies
mindestens eine Person unserer Familie betriff):
- Im Gegensatz zu gestern wurde Dieters Gesichtsausdruck heute
glücklich, sobald er jemanden erkannte.
- Er suchte mit beiden Händen den Kontakt zu uns.
- Er drückte respektive zog uns an sich.
- Dieter bewegte den Kopf in unsere Richtung und wartete, bis wir die
Hand hinhielten und er den Kopf in unsere Hand legen konnte.
- Er schaute uns hoffnungsvoll an und bewegte sein linkes Bein. Das
Kompliment unsererseits, 'wie gut er das Bein bewegen kann, dass dies
super sei', nahm er mit einem 'Lächeln' auf! Teilweise bewegt er
einfach das Bein mit dem Gesichtsausdruck 'schaut, ich kann es
bewegen!'
- Er streichelte unsere Hand, als wolle er uns beruhigen.
- Durch aufschreiben wollte Dieter uns etwas mitteilen. Die fehlende
Kraft liess es aber noch nicht zu, dass er schreiben konnte.
Allerdings wollte er wiederholt mit seinen Händen an das rechte Bein
greiffen. Hat er Schmerzen? Möchte er testen, ob das Bein noch da ist?
Möchte er schauen, was alles zerstört ist?
Mittwochabend, 17.10.01
Wir möchten dem ganzen Dorf, den Verwandten und allen Freunden für das
hoffnungsvolle Mittragen und die zugesprochene Kraft danken.
Der Kantonspolizei danken wir für ihre mitfühlende Arbeit.
Ganz herzlich möchten wir uns schon jetzt beim Pflegepersonal und dem
Ärzteteam bedanken.
Dieters Zustand ist weiterhin stabil. Das Fieber ist leicht gestiegen
und er hatte eine unruhige Nacht. Die für heute vorgesehene Operation am
Kopf wurde nicht durchgeführt. Morgen drücken wir ihm nun die Daumen für
die lange Operation am Oberschenkel, der Kniescheibe und dem
Unterschenkel.
Donnerstagabend, 18.10.01
Die Operation dauerte von 11 Uhr bis relativ spät in den Abend. Die
Ärzte sind grundsätzlich zufrieden mit dem Zustand von Dieter. Wir sind
zuversichtlich, dass Dieters Zustand sich weiterhin so positiv entwickel
wie in den letzten Tagen. Schön ist auch, dass Dieters Gesicht trotz
seinen schweren Gesichtsknochenbrüchen äusserlich bis auf die Nähte am
Kinn unversehrt ist.
Folgende Arbeiten wurden heute durchgeführt:
- Das externe Gestell zur Fixierung des Oberschenkel wurde
grösstenteils entfernt (Ausnahme Schenkelhals).
- Am Oberschenkel hat Dieter unterhalb des noch vorhandenen
Metallgestänges nun eine Schiene.
- Der Marktnagel und die Schrauben wurden in den Oberschenkel und
Schenkelhals eingeführt.
- Die Ärzte stellten fest, dass das innere Kreuzband gerissen ist und
operierten auch dies. Hier ist die Chance von entstehenden Problemen
allerdings relativ hoch. In diesem Fall müsste zu einem späteren
Zeitpunkt noch einmal operiert werden.
- Bei der Kniescheibe sieht der Arzt relativ gute
Heilungschancen.
- Der Knorpel am Knie hat einen sehr starken Schlag erwischt, was
später zu Problemen führen kann. Allerdings wird auch hier recht
positiv gesprochen.
- Das 'Loch' unterhalb des Knies wurde mit einem Teil des
Wadenmuskels 'gefüllt' und Haut vom Oberschenkel transplantiert.
- Der Bruch am Oberschenkel ist weiterhin offen. Zu einem späteren
Zeitpunkt wird er geschlossen und ebenfalls Haut transplantiert.
- Dieter hatte den ganzen Tag relativ hohes Fieber. Heute wurde nun
mit der Antibiotika-Behandlung begonnen.
- Morgen werden ihm die Nähte am Kinn entfernt.
Wir haben Dieters Seite etwas umgestaltet. Neu hat er ein Gästebuch.
Wir werden ihm die Einträge ausdrucken und in den Spital bringen (via
Laptop wird er sie auch bald selber lesen und beantworten können).
Der Bericht über die ersten Tag nach dem Unfall haben wir archiviert
(Ältere Texte). Damit wird die Seite des aktuellen Textes
kürzer.
Freitagabend 19.10.01
Dieters Zustand ist weiterhin stabil. Er hat recht hohes Fieber. Aus
diesem Grund wurde er vorläufig wieder in tiefen Schlaf versetzt.
Der Fehler im Gästebuch ist behoben.
Freitagnacht, 19.10.01
Dieters Zustand ist weiterhin stabil. Die Ursache für das Fieber ist
nicht definitiv klar, es kann die Lungenentzündung, die (offenen) Brüche
oder sogar die diversen Schürfungen sein. Mit grosser Wahrscheinlichkeit
ist aber die Lungenentzündung daran Schuld, und diese wird mit einem
Antibiotikum behandelt.
Um ihm mehr Ruhe zu geben wird Dieter sicher noch bis Montagmorgen in
recht tiefem Schlaf belassen. Aber auch in dieser Zeit wird er mehrmals
für kurze Zeit 'geweckt' (Dosis verringern).
Die Fäden am Kinn sind entfernt und das ganze Gesicht ist sichtbar.
Die Naht ist sehr kurz, nur knapp 10 Zentimeter lang. Zusätzlich hat
Dieter bei der linken Augenbraue noch eine kleine, genähte
Fleischwunde.
Ein Blick in seinen Mund war recht erschreckend. Dort wird zu einem
späteren Zeitpunkt noch viel gemacht werden müssen.
Samstagnacht, 20.10.01
Keine Neuigkeiten sind gute Neuigkeiten. Dieters Zustand ist weiterhin
stabil, er wird im tiefen Schlaf belassen. Die Fieber waren heute
konstant und erreichten die 39°C nicht mehr.
In seiner Krankheitsakte steht nichts über eine Verletzung am Herzen.
Wahrscheinlich war die uns am ersten Tag gemeldete Verletzung (Prellung)
am Herzen gar keine.
Im Bauch hat er noch etwas Flüssigkeit, diese stellt jedoch kein
Problem dar und wird vom Körper selber resorbiert. Medizinisch ist hier
keine Hilfe nötig.
Wir möchten allen Gästebuchschreibern danken. Wir drucken die Einträge
aus und werden sie Dieter vorlesen, sobald die Pfleger ihn wieder aus dem
Schlaf aufwachen lassen.
Sonntagnacht, 21.10.01
Der heutige Besuch bei Dieter war sehr, sehr schön, teils aber auch
traurig.
Dieter war meist recht wach (die Schlafmittelkonzentration betrug
zeitweise nur 1/10 der normalen Konzentration) und wir konnten recht
schön mit ihm kommunizieren.
Dieter hat auf Witze/Sprüche gelacht und oft ein zufriedenes Gesicht
gemacht. Die Frage nach Schmerzen verneinte er. Wir hatten mehrere Male
das Gefühl, er teste seine Funktionsfähigkeit. Nacheinander bewegte er
sein linkes Bein, linker und rechter Arm und danach die linke und rechte
Schulter. Sein rechtes Bein beschäftigt ihn sehr. Er versucht immer
wieder mit der Hand an das Bein zu gelangen und den Kopf so zu drehen,
dass er zum Bein schauen kann.
Der Pfleger stellte daraufhin das Bett so ein, dass Dieter mit
aufrechtem Oberkörper im Bett sitzen respektive beinahe 'stehen' konnte.
Damit war es ihm möglich, sein Bein zu berühren und wahrscheinlich auch
zu sehen (durch die Medikamente sieht er vermutlich nur verschwommen).
Wir konnten ihm damit auch die Schiene an seinem Bein zeigen und ihn
beruhigen, dass noch alles an seinem Platz ist und schon am Heilen
ist.
Nebst dem Bein beschäftigte ihn sein Gesicht sehr stark. Er versuchte
es immer zu berühren oder schaute in das spiegelnde Fenster. Als wir ihm
einen Spiegel hinhielten, war er leider schon wieder am Einschlafen.
Wir haben ihm heute einige Gästebucheinträge oder auch nur die Namen
der an ihn Denkenden vorgelesen. Die Reaktion war von passiv glücklich
(wenn er beinahe am Schlafen war) bis zu heftigen Heulkrämpfen, sobald er
einen Namen hörte!
Auf die Aufforderung, selber zu atmen, begann er wirklich mit
Atemversuchen. Die Lungenmaschine musste über längere Zeit nur noch 2
anstatt der üblichen 10 Schläge geben, der Rest atmete Dieter
selbstständig!
Das Traurige war, dass Dieter öfters extrem traurig wurde und
erschütternd zu weinen begann und die Tränen über seine Wangen
rollten.
Extrem schön war aber heute bei allem, dass Dieter unsere Worte
versteht, verarbeiten kann und den Muskeln die richtigen Befehle erteilt
(atmen, Arm anheben). Auch das Heulen ist in dieser Situation eine
logische und nötige Verarbeitung. Dies alles lässt extrem stark hoffen,
dass sein Hirn wirklich intakt ist! Die Knochen brauchen noch viel Zeit
und Geduld, aber diese lassen sich 'reparieren'.
Die Temperaturen von Dieter sind stabil hoch, der Blutdruck ist sehr
hoch.
Wir wissen, dass sehr viele von euch Dieter extrem gerne besuchen
möchten. Wir haben aber das Gefühl, dass die Besuche für Dieter noch
einen rechten Stress darstellen (sein Puls und vor allem sein Blutdruck
steigen stark an wenn wir ihn besuchen). Da unsere Familie schon gross
ist, werden wir weiterhin nur selten jemanden mit zu Dieter nehmen. Wir
denken, dies ist für ihn das Beste - und das ist entscheidend! Wir nehmen
aber an, dass er recht bald auf die Allgemeinstation verlegt wird, wo er
ganz normale Besuchszeiten haben wird. Dann sind wir froh um alle
Besucher, die ihn auf seinem langen Gesundungsweg unterstützen und auch
uns insofern entlasten, als dass wir 'Ruhetage' einschalten können.
Wir haben heute eine Bildgalerie aufgeschaltet.
Die Bilder von Dieter sind etwa 5 Tage nach dem Unfall aufgenommen
worden.
Montagabend, 22.10.01
Heute war Dieter sehr unruhig. Er weinte oft, konnte aber auch lachen
und wollte uns immer wieder etwas zeigen und auch aufschreiben. Das
Schreiben hat ihn allerdings noch sehr belastet, da es durch die
Medikamente bedingt nicht richtig funktionierte und ihn dies
wahrscheinlich traurig machte.
Ansonsten ist sein Zustand stabil respektive bessert sich. Er atmet
schon oft alleine, er zeigt wenn er den Mund oder die Lunge gereinigt
haben will oder dass ihm der Magen rumort.
Dienstagnacht, 23.10.01
Heute hatten wir sehr, sehr schöne, aber auch einige schwierige
Momente bei Dieter. Den Schlauch zur künstlichen Beatmung wurde ihm
entfernt, und somit kann er wieder ziemlich gut sprechen (die
Verletzungen der Gesichtsknochen verhindern ein ganz normales Sprechen
momentan noch).
Was er sagt und wie er es sagt gibt weiterhin Hoffnung, dass sein Hirn
vollständig intakt ist. Er kann sich auch an sehr Vieles erinnnern, und
fand, er sei doch schon oft von Oberflachs nach Thalheim gelaufen und
dass es peinlich sei, betrunken einen Unfall zu haben. Auch macht er sich
schon Sorgen um für uns noch nicht allzu wichtige 'Details' (wie teuer
wird das Ganze, was macht die Schule).
Häufig war er auch sehr traurig, hatte stark Angst um seinen Mund und
sein rechtes Bein. Auch nervte er sich extrem, sobald er sich an etwas
nicht mehr erinnern konnte - wahrscheinlich hat er sofort immer die
Befürchtung, dass etwas in seinem Hirn nicht stimmt.
Da die Schlafmittel abgesetzt wurden, war Dieter heute sehr stark auf
Entzug. Er wurde teilweise recht aggressiv gegen uns und das
Pflegepersonal. Die Entzugserscheinungen dauern ca. 2 Tage und sollten
daher Übermorgen vorbei sein.
Das Pflegepersonal nahm ihn heute ein erstes Mal aus dem Bett und
setzte ihn auf einen Stuhl, wo er etwas essen konnte
(Schokoladecreme...).
Dieter wird nun in Kürze aus der Intensivstation in die
Allgemeinabteilung verlegt. Ab diesem Zeitpunkt sind Besuche theoretisch
möglich. Wir möchten aber schon jetzt darauf hinweisen, dass zu Beginn
nur die engsten Freunde Dieter besuchen sollten, Freunde, die in letzter
Zeit oft mit ihm zusammen waren. Die Besuche sind immer noch ein rechter
Stress für ihn, und seine Gesundheit geht unserem Wunsch, Dieter zu
besuchen, ganz klar vor. Sobald er auf der Allgemeinstation ist werden
wir dazu noch mehr sagen. Ziel ist es, dass in den ersten Tagen nur
Besuche nach Absprache mit unserer Mutter erfolgen, damit wir die Anzahl
Leute im Zimmer steuern können. Hier zählen wir fest auf euer
Verständis!
Die Regeneration wird noch lange, harte Wochen dauern, in denen Dieter
immer wieder über Besuche und Abwechslung glücklich sein wird!
Wir haben alle Gästebucheinträge ausgedruckt und Dieter ins Spital
gebracht. Er wirde diese lesen und bald auch persönlich oder via Laptop
beantworten können!
Mittwochabend, 24.10.01
ich lebe noch! bin gestern wieder aufgewacht
und danke euch allen für euer an mich denken.
Dies sind die ersten beiden von Dieter auf dem Laptop eingetippten
Sätze!
Dieter wurde heute in die Allgemeinstation verlegt. Es ist
fantastisch, wie sich sein Zustand in den letzen zwei Wochen verbessert
hat und dass er nun mit uns sprechen, lachen und weinen kann.
Wir verstehen, dass ihr ihn nun alle möglichst bald besuchen wollt. Da
Besuche für Dieter aber auch sehr viel Stress bedeuten (Freude, Trauer,
Hektik), möchten wir die Besuche in geordnete Bahnen lenken und vor allem
zu Beginn die Besucherzahl pro Tag niedrig halten.
Deshalb haben wir folgende Bitten an euch:
- Mindestens bis nächsten Montag sollten nur die engsten
Freunde Dieter besuchen und dies auch immer nach Absprache mit
uns (Elsbeth Werthmüller 056 443 34 80 oder Daniel
Werthmüller 079 571 23 83). Alle anderen bitten wir, Dieter erst ab
nächster Woche zu besuchen.
- Zwischen 12.00 und 13.30 Uhr und ab 19 Uhr möchte die Familie
alleine mit Dieter zusammen sein und bittet euch, ihn während dieser
Zeit nicht zu besuchen.
- Versucht zu Beginn, die Besuche kurz zu halten.
- Es wäre optimal, wenn sich die 'Vereine' (KTV, TV, Jungschar, alte
und neue Kantiklasse) ab Montag so organisieren würden, dass ihn nur 2
Personen pro Tag besuchen gehen. Der KTV hat für sich und die Kanti
eine kurze Wegleitung
erstellt.
- Die Kantischüler bitten wir, für ihre Besuche die Zwischenstunden
zu benützen, damit die Abendstunden nicht allzu überfüllt sind.
- Die unregelmässig Arbeitenden bitten wir ebenfalls, Dieter wenn
möglich während des Tages zu besuchen und nicht am Abend.
- Schaut, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig bei ihm
sind.
- Gebt ihm das postive Gefühl weiter, das ihr ihm auch in den
Gästebucheinträgen vermittelt habt (ganz herzlichen Dank für all diese
Einträge; Dieter ist daran, sie zu lesen)! Lasst ihm aber auch Zeit für
die Trauer und das Verarbeiten des Unfalls und seiner aktuellen
Situation. Er weint noch sehr oft, ist traurig und verzweifelt ab
seinem Zustand.
- Ab nächster Woche wird Dieter per Laptop online sein und auch
eMails beantworten können. Ihr erreicht ihn durch einen
Gästebucheintrag oder etwas privater via Mail.
Wir zählen darauf, dass ihr unseren Wunsch, Dieter seine Ruhe zu
gönnen, akzeptiert und ihn nicht alle sofort besuchen geht - es werden
viele, lange Wochen kommen, in denen Dieter noch so froh um Abwechslung
und Unterhaltung ist.
Wir werden auch in den nächsten Tagen diese Intranetseite
aktualisieren, allerdings mit abnehmender Intensität, je häufiger man
Dieter besuchen und die Informationen aus erster Hand erhalten kann.
Besten Dank um die grosse Unterstützung während den vergangenen und
noch kommenden Tagen.
Familie Werthmüller
Freitagabend, 26.10.01
Gestern übernachtete ich bei Dieter im Spital, daher gab es keine
News. Verglichen mit unseren Ängsten während der letzten zwei Wochen
geht es Dieter verhältnismässig gut. Gestern sass er schon über eine
Viertelstunde in einem Stuhl und 'diskutierte' mit uns.
Ansonsten geht es ihm aber nicht allzu gut. Er ist sehr traurig und
muss natürlich die Situation verarbeiten. Er ist nicht in der gleichen
Situation wie wir: Wir sind schlicht und einfach glücklich, dass er lebt,
die Wunden am Heilen sind und er so schnell Fortschritte macht. Dieter
aber war die zwei letzten Wochen im künstlichen Koma - er erwachte erst
diese Woche, spürte als erstes seinen Mund und die fehlenden Zähne und
sah sein rechtes Bein - diesen Schock, die Angst und den Frust muss er
nun verarbeiten. Er denkt sehr oft an die Situation mit seinem Ellbogen
und hat die verständliche Angst, dass auch am Bein etwas schief laufen
wird.
Sein ganzer Lebensrhythmus wurde durcheinander gebracht. Er kann nicht
schlafen und hat Angst vor der Nacht. Seit gestern bleibt nun immer
jemand von uns über Nacht im Spital, damit er in Krisen jemanden zum
Sprechen hat.
Die massiven Entzugserscheinungen vom letzten Dienstag haben ihn
ebenfalls sehr stark mitgenommen und machen ihm immer noch Eindruck und
Angst.
Dieter freut sich sehr über die Besuche seiner besten Freunde. Wir
finden es super, dass es so gut klappt und ihn bisher nur wenige und nach
Absprache besuchen kommen. Das erste Mal jemanden sehen und dann das
Verabschieden sind schwer und nehmen Dieter noch recht stark mit. Die
Situation, dass ihn nur wenig Leute besuchen, diese dafür aber lange bei
ihm bleiben, ist somit optimal!
Gestern und heute wurde Dieter nochmals geröngt. Zu Beginn nächster
Woche wird er am Fuss operiert, wann und was dies sein wird wissen wir
momentan nicht.
Dieters Postadresse:
Dieter Werthmüller
Kantonsspital Aarau
Haus 2a, Zimmer 113
5000 Aarau
Sonntag, 28.10.01
Physisch macht Dieter weiterhin Fortschritte und bisher traten keine
Komplikationen auf. Psychisch ist die Situation für ihn aber weiterhin
äusserst schwierig.
Er ist verzweifelt, hat Angst. Die Halluzinationen während seines
Medikamentenentzuges am ersten bewusst miterlebten Tag (Dienstag) sind
ihm noch sehr schlecht in Erinnerung und lösen bei ihm Panik aus.
Morgen Montag wird er am Fuss operiert. Vor der Operation, aber vor
allem vor dem Aufwachen von der Narkose und dem 'auf Schläuche angewiesen
zu sein' hat er Horror.
Ebenfalls kämpft er mit dem Wechsel von der Intensivstation, wo
dauernd Pflegepersonal um ihn war, zur jetzigen Situation, wo das
Personal nur noch periodisch vorbeischaut. Hier fehlt im das Vertrauen,
dass dies eigentlich ein gutes Zeichen für seinen Zustand ist.
Da er morgen operiert wird und auch sein psychischer Zustand noch sehr
labil ist, möchten wir es weiterhin so halten, dass ihn nur die engen
Freunde nach Absprache mit uns besuchen gehen. Wenige Besucher, die aber
etwas länger bleiben, sind für ihn besser als häufige Wechsel. Wir fragen
ihn auch immer wieder, wen er bald sehen möchte.
Sonntagnacht, 28.10.01
Gestern und heute fand Dieter zeitweise wieder zum Lachen zurück! Er
konnte auch das wunderbare Herbstwetter geniessen; im Rollstuhl auf dem
Spitalgelände, zusammen mit Freunden.
Heute wurde der Katheter entfernt - damit war Dieter für einen Tag
ohne einen einzigen Schlauch an seinem Körper - was für ein Kontrast zum
Bild vor einer Woche!
Am Montag um 10 Uhr wird Dieter am Fuss operiert - toi toi
toi!
Montagabend, 29.10.01
Die Operation von heute verlief ohne Probleme. In Dieters Fuss wurden
die gebrochenen Knöchel mit Draht fixiert. Dieser Draht wird in ca. 8
Wochen wieder entfernt, noch bevor Dieter den Fuss belasten kann. Am
Oberschenkel wurde die offene (und mit Muskelfleisch 'gefüllte') Wunde
mittels Hauttransplantation geschlossen. Die Haut dazu wurde vom rechten
Oberschenkel entnommen (wie schon die Haut für die offene Wunde unterhalb
des rechten Knies).
Dieter hat die Operation gut überstanden, die Stelle, an dem ihm Haut
entnommen wurde, schmerzt ihn nun allerding ziemlich stark.
Somit ist unseres Wissens ziemlich alles zusammengeflickt, was
geflickt werden musste. Die nächsten Operationen werden die Entfernung
der diversen eingesetzten Drähte und die nötigen Eingriffe im Mund sein
(Zähne).
Dieter hatte viel Freude an den Besuchen von diesem Wochenende.
Allerdings erwähnte er heute auch, dass es doch 'etwas viele Besucher'
waren, vor allem wenn mehrere Personen gleichzeitig bei ihm waren. Daher
überlassen wir es weiterhin ihm, wen er sehen möchte und rufen diese
Personen direkt an. Alle anderen müssen wir leider noch ein wenig
vertrösten.
Mittwochabend, 31.10.01
Heute vor drei Wochen ist Dieter verunfallt. Wahnsinnig und schön, wie
sich seither sein Zustand gebessert hat.
Nun ist allerdings sehr viel Geduld gefragt, die Dieter momentan noch
nicht hat. Er ist sehr traurig und verzweifelt, spricht recht wenig, will
mit Ausnahme von wenigen Freunden auch nicht unbedingt Leute sehen und
starrt vor sich hin.
Die Stelle der Hauttransplantation schmerzt immer noch stark, vor
allem auch beim Verbandswechsel. Ansonsten hat er keine Schmerzen.
Noch diese Woche wird sein Kopf geröngt. Dann wird sicher auch mehr
bekannt, wie es mit dem Mund weitergeht. Dieser belastet ihn sehr stark
und auf seine entsprechende Frage 'wann alles in Ordnung sei' sagte heute
der Kieferspezialist, dass man darüber in zwei Jahren wieder sprechen
kann. Eine ehrliche und sicher realistische Antwort, die aber Dieter ganz
schön geschmerzt hat. In ca. 3 Wochen werden ihm die Schrauben in den
Gesichtsknochen entfernt.
Freitagnacht, 2.11.01
Dieter findet wieder zum Lachen zurück! Mindestens für kurze Zeit
lässt er sich ablenken und kann sich freuen. Sicher tragen das gute
Wetter und vor allem die guten Freunde sehr stark dazu bei. Die
Spazierfahrten an der Sonne scheinen ihm sehr gut zu tun. Generell ist
aber schnell müde, immer noch sehr traurig und er schläft recht schlecht.
Der Oberschenkel (Ort der Hautentnahme und der Hauttransplantation)
beisst ihn immer noch stark und jeder Verbandswechsel schmerzt.
Am Montag wird ihm am rechten Fuss ein Schuh angepasst. Nachher wird
es ihm möglich sein, das rechte Bein zu belasten und somit an Krücken
umherzulaufen. Dem traut Dieter allerdings noch überhaupt nicht, da er
nicht sicher ist, ob er mit seinem seit langem lädierten rechten Ellbogen
überhaupt an Krücken gehen kann.
Sonntag, 4.11.01
KTV-Kollegen von Dieter haben aktuelle Bilder geschossen. Diese geben
den Zustand von Dieter viel besser wieder als die bisherigen in der
Bildgalerie (Bildgalerie).
Ansonsten kann nicht viel Zusätzliches zu Dieter gesagt werden. Der
Heilungsprozess braucht sehr viel Zeit, die Ungewissheit und die Angst
bei Dieter sind gross, ebenso die Ungeduld. Die organisierten Besuche
möchte er weiterhin so beibehalten, da er ziemlich schnell müde wird und
vor allem nicht allzu viel sprechen will und kann (durch die Schrauben,
Drähte und Platten im Mund ist er beim Sprechen eingeschränkt - durch
diese Einschränkung wird er beim Sprechen auch immer wieder an seine
Situation und die Angst erinnert).
Als Ergänzung zum Mittwocheintrag: Die Frage nach 'Joggen' und
'Ballsportarten betreiben' kann sicher nicht beantwortet werden mit 'ja,
wird wieder möglich sein', die Chance ist aber intakt. Hier sind
anscheinend die Brüche im rechten Fuss gravierender als von uns bisher
wahrgenommen.
Mittwoch, 7.11.01
Gestern Dienstag bekam Dieter einen 'Vorfussentlaster' (Spezialschuh).
Heute konnte er sich erstmals mit einer Krücke im Spital bewegen. Der
erste Besuch in der WG kommt somit mit Riesenschritten näher!
Am Montag sass Dieter das erste Mal auf der Toilette und heute kam das
lang ersehnte Duschen.
Da Dieter die (abgebrochenen) Zähne nicht richtig reinigen kann,
entzündet sich das Zahnfleisch und unter Umständen müssen einige, nicht
mehr 'verwendbare' Zähne, gezogen werden. Dies wird morgen untersucht und
entschieden. Zusätzlich wird Dieter in 2 bis 3 Wochen am Kopf operiert.
Dabei werden die eingesetzten Platten entfernt.
Die Schwellung in der rechten Gesichtshälfte ist vermutlich auf eine
verstopfte Speicheldrüse zurückzuführen und wird darauf behandelt.
Samstag, 10.11.01
Die Schwellung beim rechten Ohr hat sich als 'Leck' in einer Arterie
herausgestellt, durch das Blut aus der Arterie fliesst, das die
Schwellung verursacht. Dieses 'Leck' wird am Montag mit Hilfe einer Sonde
geschlossen, die in der Leistengegend in die Arterie eingeführt wird. Die
Sonde wird durch den ganzen Körper bis in den Kopf geführt, wo das 'Leck'
ohne Operation geschlossen werden kann (die Untersuchung wurde auf dem
gleichen Weg durchgeführt). Diese Schwellung schmerzt Dieter momentan
recht stark und wir hoffen, dass ab Montag eine Linderung eintritt.
Am Freitag schaute der Zahnarzt in Dieters Mund und besprach mit ihm
das weitere Vorgehen. Es fehlen 6 Zähne, 2-3 weitere Zähne müssen sicher
noch entfernt werden, je nach Entwicklung noch weitere 2-3.
In einem ersten Schritt werden die Verletzungen 'versiegelt'
(innerhalb des nächsten Monats). Danach kann Dieter mindestens wieder
weiche und mittelharte Nahrung beissen. Bis zum Ende der Versieglung
(dh.ungefähr in einem Monat) sollte auch das weitere Vorgehen definitiv
bestimmt werden können, da bis dann klar sein sollte, ob der Knochen
genügend stabil ist oder noch weiter aufgebaut werden muss. Geplant ist,
weitere 3-6 Monate nach der Versieglung die provisorischen Zähne
einzusetzen und nach weiteren 6-12 Monaten die definitiven Zähne.
Korrektur zum Eintrag vom 29.10.: Dieter musste am rechten
Oberschenkel kein Muskel zum Füllen eines 'Lochs' eingesetzt werden. Er
hatte am Oberschenkel 'nur' einen offenen Bruch - dadurch wurde der
Muskel nicht mehr 'zusammengehalten' und quoll aus dem Oberschenkel.
Diese offene Wunde wurde durch transplantierte Haut wieder geschlossen
(die Haut stammt ebenfalls vom rechten Oberschenkel). Der Muskel ist aber
intakt und wird somit auch wieder voll funktionstüchtig.
Aufgrund der optischen Untersuchungen und den Blutwerten sind alle
inneren Verletzungen von Dieter vollständig geheilt.
Es sind erst gut 4 Wochen nach seinem Unfall und wir diskutieren
ernsthaft über einen Besuch in der WG und das Vorgehen zum
'Wiedereingliedern' in der Schulklasse - beinahe unglaublich und
unglaublich schön!
Die Seite wird nicht mehr so häufig aktualisiert. Die nächste
Aktualisierung wird am Montagabend nach der Operation
aufgeschaltet.
Dienstag, 13.11.01
Dieter wurde in der rechten Gesichtshälfte 7 kleine Titanspiralen in
die Blutgefässe eingesetzt, um diese zu schliessen und damit die
Schwellung zu stoppen. Am Donnerstag wird im Computertomograph überprüft,
ob diese Massnahme den gewünschten Erfolg zeigt.
Alle, die Dieter noch nicht besucht haben und ihn gerne besuchen
möchten, sind nun herzlich dazu eingeladen. Es lohnt sicher aber, vorher
kurz bei Dieter anzurufen (062 838 31 88). Einerseits hat er oft Therapie
oder Untersuchungen, andererseits sprechen die Ärzte davon, ihn am
Wochenende aus dem Spital zu entlassen!
Freitag, 16.11.01
Dieter konnte heute das Spital verlassen und ist zuhause!
Information über diese Seite
Medienmitteilung der Kantonspolizei Aargau vom 10. Oktober
2001:
Oberflachs: Fussgänger angefahren und
geflüchtet
Ein 19-jähriger Fussgänger wurde von einem unbekannten
Fahrzeug angefahren und in schwerverletztem Zustand liegen
gelassen.
In der Nacht zum Mittwoch, 10. Oktober 2001, ca.03.30 Uhr, hörten
Anwohner von Oberflachs laute Kollisionsgeräusche. Sie hielten sofort
Nachschau und fanden einen mitten auf der Strasse liegenden,
schwerverletzten Mann. Er wurde mit der Rega ins Kantonsspital nach
Aarau geflogen. Wie bis jetzt feststeht, handelt es sich beim
Verletzten um einen 19-jährigen Schweizer aus Thalheim, der sich
offensichtlich zu Fuss auf dem Heimweg befand. Auf der Höhe des
Schlosses Kasteln wurde er von einem Richtung Thalheim fahrenden Auto
angefahren und schwer verletzt. Der Lenker oder die Lenkerin dieses
Fahrzeuges setzte die Fahrt Richtung Thalheim / Staffelegg fort, ohne
sich um den Verletzten zu kümmern. Bezüglich dem Fahrzeug bestehen
keine Anhaltspunkte. Dieses dürfte aber an der Front massive
Beschädigungen aufweisen. Personen die Hinweise geben können oder
denen ein Fahrzeug mit entsprechenden Beschädigungen aufgefallen ist,
werden gebeten, sich bei der Kantonspolizei in Brugg, Telefon 056 441
80 31, zu melden. Die Polizei appelliert aber auch an die Verursacherin
oder den Verursacher dieses tragischen Unfalles, sich zu melden.
Mein Bruder Daniel kreierte diese Unfall-Webseite nach meinem Unfall zur Information
von Familie und Freunden. Nachdem ich das Spital am 16. November 2001
verlassen konnte, fiel sie in den Dornröschenschlaf. Es hat mir aber
immer wieder viele Worte, und zum Teil unerwünschte Erinnerungen,
erspart, wenn ich auf diese Seite verweisen konnte anstelle alles zu
erklären. Deshalb reproduziere ich die Texte hier, uneditiert. Das
heisst, mit den gleichen Typos, aber auch mit z.T. vorhandenen
medizinischen Missverständnissen und Halbwahrheiten; all dies reflektiert
die bange und nervenzehrende Zeit, die meine Familie damals erdulden
musste.
Weitere Dokumente: